" Der Bruch im Leben " - Erzählungen junger ostdeutscher Autoren zwischen Zeitzeugenschaft und Fiktion
Zusammenfassung
Die Analyse der Werke von drei Vertretern der jungen, gegenwärtig unter dem Namen Generation Trabant oder Zonenkinder bekannten ostdeutschen Literatur soll dazu dienen, verschiedene Ausdrucksformen der Zeitzeugenschaft bzw. der Fiktionalisierung spezifischer Erfahrungen, die die Autoren als Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der DDR gemacht haben, aufzuzeigen. Einerseits wird nach der Trennlinie zwischen Zeitzeugenschaft und Fiktion gefragt, andererseits werden die verschiedenen Wirklichkeitsbezüge dargestellt.
Alles nur geklaut (1999) von Falko Hennig (geb. 1969) ist ein fiktionaler Schelmenroman vor autobiographischem Hintergrund, in dem sich der fiktionale Anteil im Grunde auf die kleptomane Karriere des Protagonisten beschränkt. Die verschiedenen im Roman dargestellten Sozialisierungsphasen verweisen hingegen auf eine Art gemeinsamen Erinnerungsfundus dieser Generation, Erinnerungen, die oft austauschbar scheinen und sich in Stereotypen und Klischees verwandeln. Meine Freie Deutsche Jugend (2003) von Claudia Rusch (geb. 1971) entgeht dieser Tendenz zur Stereotypenbildung nicht, obwohl die Autorin als Tochter von Dissidenten die privilegierte Perspektive ihrer Erinnerungen stark betont. Die Autorin besteht auf ihrer Zeitzeugenschaft und ihr Buch wird oft als authentische Quelle wahrgenommen. Julia Schoch (geb. 1974) hebt sich mit Der Körper des Salamanders (2001) von den anderen Autoren dieser Generation durch einen wahrhaft literarischen Anspruch ab. Sie variiert die Erzählperspektiven, verweigert sich einer strikt autobiographischen Lektüre und bricht die Wirklichkeit durch intertextuelle Referenzen aus der Mythologie und dem Phantastischen. Die Verweise auf den DDR-Kontext bleiben diskret, was die ganze Kraft dieser Erzählungen ausmacht, die so eine Wiederholung der gängigen Stereotypen vermeiden.